Aggressivität eine Frage der Zucht und der Rasse?

Wir haben diesen Artikel aus folgender Seite übernommen: www.hundeprofil.de

Wenn ihr den Text auf der Orginalseite lesen wollt, dann ist hier der Link: http://hundeprofil.de/aggressivitaet-eine-frage-der-rasse/

Es wäre glatt gelogen, wenn man behaupten würde, die Rasse hätte keinerlei Einfluss auf die Aggressivität eines Hundes (Ich möchte allerdings betonen, dass die Rassezugehörigkeit nur einer von vielen Faktoren ist, die die Aggressivität eines Individuums beeinflussen können).

Aufgrund verschiedener Zuchtziele wurde zum Beispiel unterschiedliches Augenmerk auf die innerartliche Verträglichkeit gelegt. So sollte ein Beagle als Meutehund kein Problem mit Artgenossen haben, während bei anderen Rassen die innerartliche Verträglichkeit eher eine untergeordnete Rolle spielte und nicht zwingend durch die Zuchtauswahl gefördert wurde. Zum Beispiel sind Rottweiler in verschiedenen Studien durch erhöhte Aggressionsraten aufgefallen (Duffy et al. 2008, Bollen & Horowitz 2008). Allerdings gibt es selbstverständlich innerhalb der Rasse große individuelle Unterschiede. Man könnte also sagen: Es ist wahrscheinlicher, dass ein Rottweiler aggressives Verhalten gegenüber einem Artgenossen zeigt, als es ein Beagle tut. Nichtsdestotrotz heißt das natürlich weder, dass jeder Rottweiler hundeunverträglich ist, noch dass jeder Beagle andere Hunde gut findet.

 

Pauschalisierungen führen zu Rasselisten

 

Leider führen aber Pauschalisierungen sowohl in einigen deutschen Bundesländern, als auch in anderen Ländern dazu, dass die Haltung, Zucht und Einfuhr bestimmter Rassen komplett untersagt wird. Ob diese Maßnahmen tatsächlich hilfreich sind, ist stark umstritten. Kritiker befürchten, dass es so eher zu einer Verlagerung des Zuchtgeschehens in die Illegalität kommt und damit nur noch weniger Kontrolle über die Vorgänge erreicht wird. Ein alternativer Ansatz wäre, die Hunde, die problematisches Verhalten im Bereich Angst/ Aggression zeigen, von der Zucht auszuschließen.

Eben dieser Ansatz wurde zwischen 2001 und 2009 in den Niederlanden praktiziert. Seit Juni 2001 mussten Vertreter bestimmter Rassen in den Niederlanden einen standardisierten Verhaltenstest bestehen, um die Zuchtanerkennung des niederländischen Zuchtverbandes zu bekommen. Der Test soll verschieden Formen von Angst und Aggression erkennen. Die Individuen, die diesen Test nicht bestanden, wurden offiziell nicht zur Zucht zugelassen. Zu den betroffenen Rassen zählte neben dem Fila Brasileiro, American Staffordshire Terrier, Cane Corso und dem Mastino Napoleatano auch der Rottweiler.

 

Welchen Einfluss hat die Zuchtauswahl auf die Aggressivität und Ängstlichkeit?

 

Wie erfolgreich diese Strategie war, haben nun Wissenschaftler von der Universität Wageningen untersucht. Joanne van de Borg und ihre Kollegen befragten insgesamt 822 Rottweilerbesitzer bezüglich des Angst-und Aggressionsverhaltens ihrer Hunde.

395 der untersuchten Hunde besaßen eine Ahnentafel. Diese Hunde sind also Nachkommen von Elterntieren, die beide den besagten Verhaltenstest bestanden haben. Als Vergleichsgruppe dienten 427 Rottweiler, die nicht mit FCI-Papieren ausgestattet waren. In dieser Gruppe fand keine standardisierte Zuchtauswahl bezüglich der Aggressivität bzw. der Ängstlichkeit statt.

Die Nachkommen der Rottweiler, die diesen Test bestanden hatten, zeigten im Vergleich zur Vergleichsgruppe deutlich seltener Furchtverhalten gegenüber fremden Menschen (0,9% vs. 4,3%) sowie in anderen, nicht-sozialen Situation (2,2% vs. 7,8 %). Zudem zeigten die Nachkommen derjenigen Hunde, die den Test nicht bestanden, tendenziell mehr Aggression gegenüber fremden Personen (16,0% vs. 6,4%).

Insgesamt wurden bei 17,8% der Hunde mit Ahnentafel Verhaltensprobleme in Bereich Aggressivität/Ängstlichkeit festgestellt. Bei der Vergleichsgruppe waren es mit 33,3% fast doppelt so viele.

Das Geschlecht, der Kastrationsstatus, Abstammung aus Arbeitslinie oder die Vorerfahrung des Besitzers hatten übrigens keinen Einfluss auf die Resultate.

Die Ergebnisse legen also nahe, dass der Prozentsatz problematischen Verhaltens innerhalb einer Rasse durch eine geeignete Zuchtauswahl deutlich verringert werden kann. Statt bestimmte Rassen einfach pauschal zu verbieten, könnte es also Sinn machen, die Aggressivität und Ängstlichkeit in standardisierten Verhaltenstests zu erfassen und die Hunde, die Problemverhalten zeigen, von der Zucht auszuschließen.

 


Literatur:

Bollen, K. S., & Horowitz, J. (2008). Behavioral evaluation and demographic information in the assessment of aggressiveness in shelter dogs. Applied Animal Behaviour Science, 112(1), 120-135.

Duffy, D.L., Hsu, Y.Y., Serpell, J.A., 2008. Breed differences in canine aggres- sion. Appl. Anim. Behav. Sci. 114, 441–460.

van der Borg, J. A., Graat, E. A., & Beerda, B. (2017). Behavioural testing based breeding policy reduces the prevalence of fear and aggression related behaviour in Rottweilers. Applied Animal Behaviour Science.

 

Kommentare

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  • Rotti Fan (Montag, 18. September 2017 20:54)

    Ich als Rottweilerbesitzer kann mich nicht so ganz dieser Studie anschliessen. Ausschlaggebend ist doch immer das andere Ende der Leine. Sicherlich werden bestimmte Charaktereigenschaften weiter vererbt. Aber unter welchen Bedingungen, welches soziale Umfeld etc. waren hier für diese Studie ausschlaggebend?

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